Schichten schichten  

Schichtweise gehe ich vor
Schichte übereinander, was mir in die Hände kommt
Eine Farbschicht über die vorige
Ein Stück Papier, eine Blüte, ein Blatt
Verdeckt, versteckt, was vorher war
Schicht für Schicht erschaffe ich einen schützenden Mantel
Mehrfach gefüttert mit seidenen Farben
Umhülle den Ursprung, den Anfang und doch:
Jede neue Schicht ist Neubeginn
Nichts bleibt beim Alten
Kleine und große Veränderungen nehmen ihren Lauf
Schon gibt es Unterschichten, Mittelschichten, Oberschichten
Und jede Oberschicht kann schnell
Zur Unterschicht werden, wenn ich es will
In den Schichten bilden sich GeSchichten
Sie erzählen von meiner Stimmung, meinem Erleben,
Von dem, was gerade ist oder eben war
Alles fließt von Schicht zu Schicht
Ich sehe die in Fels gehauene Straße
Rechts oder links die Gesteinsschichten
Die in farbigen Bändern und Linien schreiben
Umbra, siena und tiefrot golden

Schichtweise gehe ich vor
Ein Wechselspiel vom Auf und Ab der Schichten
Ich löse Schichten wieder auf,
Reiße ein, weiche auf, lege frei
Dringe zu tieferen Schichten vor
Kehre zum Ursprung zurück
Mache sichtbar, was weg war
Erschaffe Verbindung zwischen alt und neu
Alte Schichten lichten, sichten, neu gewichten
Jahrelang von der S-Bahn aus im Vorbeifahren
Dem Verfall der Ruine zugeschaut
Schicht für Schicht die Tapeten in Fetzen
Zeugnis verschiedener Generationen
Das Waschbecken wie ein Schwalbennest
Halb aus der Wand
Zerfall erzählt von Wandel
Tagebücher wären zu füllen
Zeit festgehalten in Schichten




   Nervatora  1



 Zweige, Reisig, Blätter und Ranken

 Filigran flächiges Miteinander

 Verästelt  verädert, was oben  was unten

 Nicht eindeutig sichtbar

 Namenlos Wesen von Schatten erschaffen

 Bewegt und bestimmt vom Einfall des Lichts

 Geworden gewachsen gewesen

 Hier fällt ein Blatt und da fliegt es hin

 Weiß auf schwarz auf blau auf gelb

 Die Zeit zeichnet mit

 Wege ins Land und wieder hinaus

 Orientierung versteckt

 Fedriger Hauch vom Vergehen im Herbst



   Nervatora 2

Blatt fügt sich zu Blatt

Rot zu weiß und weiß zu rot

Drei Blumen auf den Weg

Zum Entschlüsseln der Pläne

Die Blätter dünnhäutig samtig

Von Adern gezeichnet

Inseln darin

Verzweigungslinien

Verwebten Erinnerungen gleich

Antennen wie suchende feingliedrige Finger

Der tanzende Zweig in der Mitte

Geheimnis der blauweißen Tür im Innern

Was bleibt hinter dem roten Blatt verborgen

Verbunden im Blick der Mann und die Frau

Naturgeerdet faltig geprägt

Umrahmt von Blüte und Blatt

Vom Geäst der Muster des Lebens

Gesät und geerntet und lustvoll genossen

Bis das Ende einst trennt

Und Verwandlung im Neuen beginnt


    Mandolinen Lautenklang

Mandolinen Lautenklang

Melodie auf Reisen

Leih mir Dein Ohr

Leg es auf mich

Ich flüstre Dir in Deines

Zupf mir die Saiten überm Steg

Lass schwingen, was jetzt will

Leg her die Hand

Spür Körpers Klang

Und halte mich im Takte

Die Spannung steigt, die Spannung weicht

Lass nicht die Saiten reißen

Mein Hals so schlank

Schneckenberankt

An seinem Wirbelende

Komm her zu mir, ich zeige Dir

Den Schatz aus tausend Tönen

Lass Deine Finger elfengleich

Die Saiten zart vibrieren

Und wenn Du willst mit lautem Schlag

Die Düsternis vergraulen

Gleite samten gleite hart

Ziehe, zupfe, streiche

Mit Vibration und Passion

Im Harmonien-Reiche

Ich mach die Töne glockenhell

Ich mach sie tief und dunkel

Je nach dem, wie gut, wie schnell

Du Deine Finger tanzen lässt

Und Deine Hände fühlen

So werd ich raunen, werd ich schrei’n

Werd schmelzen, weinen, stöhnen

Werd heftig und sensibel sein

Komm lass uns uns verwöhnen  




   SchattenMädchen

Wenn sich PflanzenReste finden

Sich tanzend nähern und doch flieh´n

Wenn sie die Schatten ihrer selbst

Sich unbekannten Reigen fügen

Je nach Licht sich konturieren

Figurenträchtig fantasieren

Dann lässt ein SchattenMädchen müde

Die Haare wehen durch die Welt

Die Füße auf der SchattenWiese

Die mühsam sie am Boden hält

Bis Glocken blau herüberschwingen

Und alte Träume neu gemischt